bookmark_borderStürzt die Denkmäler, aber zerschlagt die Sockel mit! Denn die Geschichte kennt keine Lichtgestalten

Wenn in Bristol das Denkmal eines Sklavenhändlers gestürzt wird, findet das mein volles Verständnis, auch, wenn die vorübergehende Entsorgung im Hafenbecken umweltpolitisch vielleicht nicht ganz korrekt war. Andere Denkmäler, Straßennamen und sonstige Gedenkvarianten erregten schon immer meinen Unmut. Hindenburg-Straßen, benannt nach dem Reichspräsidenten, der Hitler an die Macht verhalf, hätten nach meinem Dafürhalten schon vor Jahrzehnten umbenannt werden müssen. Das Gegenargument, er sei doch in der Weimarer Republik mit Hilfe der SPD demokratisch gewählt worden, sprach in meinen Augen stets eher gegen die SPD als für Hindenburg. Wenn ich in Spanien eine Kirche besichtige, bleibt am Ausgang, wo die Spendenbüchse für die notwendige Restaurierung steht, mein Portemonnaie demonstrativ in der Tasche. Denn in all diesen Kirchen gibt es auch eine Gedenktafel für die im spanischen Bürgerkrieg gefallenen Franco-Soldaten. Diese Tafeln würde ich lieber zerschlagen als rekonstruiert sehen. Die Frage, die ich mir allerdings auch stelle: Wie weit, wie konsequent wollen wir die Bereinigung der historischen Erinnerung betreiben? Denn eines wird beim näheren Hinsehen klar: Die Lichtgestalten, die auch unseren heutigen moralischen und politischen Standards stand halten, sind in der realen Geschichte praktisch nicht zu finden. Continue reading „Stürzt die Denkmäler, aber zerschlagt die Sockel mit! Denn die Geschichte kennt keine Lichtgestalten“