bookmark_borderOrwell, Indianer und eine Entschuldigung: Wie sich „Antidiskriminierung“ ins totalitäre Gegenteil verkehrt

Es gab eine Zeit, da verwiesen demokratische Linke und Liberale beim Kampf gegen einen möglichen Überwachungs- und Obrigkeitsstaat stets auf George Orwell: Eine eindringlichere Warnung vor totalitärer Kontrolle und systematischer Umerziehung durch einen „Großen Bruder“ als sein „1984“ konnte es nicht geben. 1984 ist zwar längst vorbei, der bürgerliche Staat hat sich in Deutschland nicht zum totalitären Überwachungs- und Umerziehungsstaat gewandelt, doch Orwell bleibt nach wie vor aktuell. Auch die Anhänger der sogenannten Identitätslinken scheinen ihn gut zu kennen. Nur: Sie haben dabei etwas gründlich missverstanden. Das zeigte in aller Deutlichkeit der Verlauf der Landesdelegiertenkonferenz der Berliner Grünen. Continue reading „Orwell, Indianer und eine Entschuldigung: Wie sich „Antidiskriminierung“ ins totalitäre Gegenteil verkehrt“

bookmark_borderVielfalt? Aber bitte ohne Juden! Über den versteckten Antisemitismus identitärer „Diversitätsstrategien“

Kein Zweifel: Die Koalitionsparteien des Berliner Rot-Rot-Grünen Senats sind über den Verdacht, dem Antisemitismus in irgendeiner Weise Vorschub leisten zu wollen, absolut erhaben. In Sachen Erinnerungskultur ist Berlin sogar geradezu fast vorbildlich. Stolpersteine für die von den Nationalsozialisten verfolgten und ermordeten Juden werden gepflegt, auch regelmäßig neue Gedenkstätten für die Opfer der NS-Herrschaft eingerichtet. Kommt es irgendwo in der Stadt zu antisemitischen Übergriffen, lassen die Solidaritätserklärungen nicht auf sich warten. Nur: Bei den diversen Diversitätsstrategien, mit denen die gesellschaftliche Vielfalt gefördert, diskriminierte Minderheiten „sichtbar“ gemacht und Repräsentanten dieser Minderheiten in gesellschaftliche Prozesse einbezogen werden sollen, kommen Juden (Achtung: das gilt auch für Jüdinnen) nicht vor. Das sollte nicht verwundern. Die Identitätspolitik, die diesen Diversitätsstrategien zugrunde liegt, hat schließlich auch ihre antisemitische, ihre antijüdische Seite – so wie alle Ideologien, die das Kollektiv, auf Neudeutsch „Community“, über das Individuum stellen. Continue reading „Vielfalt? Aber bitte ohne Juden! Über den versteckten Antisemitismus identitärer „Diversitätsstrategien““

bookmark_borderQuotenregelungen – und eine alte Frage nach der Abstammung, die so nie mehr gestellt werden dürfte

Berlins rot-rot-grüner Senat will für den Öffentlichen Dienst eine neue Quotenregelung einführen. Weil von dessen Mitarbeitern geschätzt nur etwa zehn Prozent entweder selbst Migranten sind bzw. aus einer Migrantenfamilie stammen, der reale Bevölkerungsanteil dieser Gruppe aber rund ein Drittel beträgt, soll eben auch der Öffentliche Dienst eine 30-Prozent-Migranten-Quote bekommen. Da heult der rechte rassistische Mob auf, fürchtet den Untergang des Abendlandes; wer sich für links hält, jubelt angesichts einer erhofften Chancengleichheit. Wenn alle Beteiligten etwas Geschichtsbewusstsein hätten, müssten nun allerdings die Rechten jubeln, wären die Linken auf der Barrikade. Aber die Identitätspolitik bringt eben einiges durcheinander. Continue reading „Quotenregelungen – und eine alte Frage nach der Abstammung, die so nie mehr gestellt werden dürfte“

bookmark_borderDas Berliner Neutralitätsgesetz, das Kopftuch und ein Kulturkampf mit verkehrten Fronten

Lebten wir in einer idealen Welt der Vielfalt und der Akzeptanz, etwa wie in mancher RTL-Daily-Soap, dann bräuchten wir kein Neutralitätsgesetz, gäbe es auch keinen Kopftuchstreit. Allein: Wir leben nicht in dieser Welt, und so tobt in der Realität ein Kopftuchstreit mit ganz verkehrten Fronten, wie die Reaktionen auf das Bundesarbeitsgerichtsurteil zum Berliner Neutralitätsgesetz zeigen. Das sollte das demonstrative Tragen religiöser Symbole durch Staatsbedienstete im Dienst, zum Beispiel eines Kopftuchs bei Lehrerinnen, unterbinden, darf aber in dieser pauschalen Form laut Bundesarbeitsgericht nicht angewendet werden. Nun könnte man ja das Gesetz so umformulieren, dass es künftig auch gerichtsfest ist, doch ausgerechnet „Linke“ und Grüne bejubeln, wenn auch etwas voreilig, sein erwartetes Aus. Die Erkenntnis von Karl Marx, dass am Anfang aller Kritik die Religionskritik stünde, hat für die heutige „Identitäts“linke offenkundig keine Gültigkeit mehr – jedenfalls dann nicht, wenn es um den Islam geht. Da verbündet man sich im Namen von „Vielfalt“, „Integration“ und „Religionsfreiheit“ auch noch mit den reaktionärsten Organisationen wie der von der Erdogan-Regierung gesteuerten DITIB. Continue reading „Das Berliner Neutralitätsgesetz, das Kopftuch und ein Kulturkampf mit verkehrten Fronten“

bookmark_borderNach Stuttgart und Frankfurt: Die Frage nach dem Migrations- und anderen Hintergründen

Nach den Krawall-Partys von Stuttgart und Frankfurt, der Auseinandersetzung um die angeblich von der Polizei geplante „Stammbaumforschung“ in Bezug auf die festgenommenen Täter, tönt es von der rechten Seite: „Die Randalierer waren keine Deutschen sondern meist Migranten.“ Und von der linken hören wir wie einen Schlachtruf der Verteidigung: „Der Migrationshintergrund spielt doch keine Rolle.“ Stimmt, möchte ich der linken Seite da gerne beipflichten. Nur wäre dieses Argument ein wenig glaubwürdiger, wenn nicht von identitäts“linker“ Seite selbst bei allen anderen Gelegenheiten immer wieder nach dem Migrationshintergrund gefragt würde. Mein Tipp: Statt sich für die politischen Debatte in Ethnologie und Abstammungskunde zu versuchen, sollte man lieber mehr Soziologie wagen, deren klassische Fragen stellen, also die Frage nach den sozialen Schichten. Auf linker Seite sprach man früher auch von Klassen. Doch Schicht und Klasse interessieren heute kaum noch wen. Continue reading „Nach Stuttgart und Frankfurt: Die Frage nach dem Migrations- und anderen Hintergründen“

bookmark_borderIdentitätspolitik: Der sichere Weg zur Diskriminierung

So führt gut gemeinte „kultursensible“ Identitätspolitik zu dauerhafter Benachteiligung, zur Diskriminierung: Australische Lehrerinnen stellen fest, dass Aborigines-Kinder Probleme im Mathematik-Unterricht haben, befinden, dass Mathematik in ihrer Kultur nun einmal keine Rolle spielt, beschließen deshalb, mit diesen Kindern lieber zu singen statt Mathematik zu üben. Den Einwand, dass diese Kinder im späteren Leben wegen des fehlenden Unterrichts benachteiligt wären, ihnen viele Berufe und Aufstiegschancen verschlossen bleiben, weisen die Lehrerinnen empört von sich. Solcher Kritik fehle jede Sensibilität für andere Kulturen. Diese Schilderung eines Party-Gesprächs „fortschrittlicher“ australischer Pädagoginnen ist die beeindruckendste Passage aus der Einleitung des Sammelbandes von Sandra Kostner: Identitätslinke Läuterungsagenda, eine Passage, die die wesentlichen Erkenntnisse dieses 313-Seiten-Bandes zusammenfasst. Continue reading „Identitätspolitik: Der sichere Weg zur Diskriminierung“