bookmark_borderDas Berliner Neutralitätsgesetz, das Kopftuch und ein Kulturkampf mit verkehrten Fronten

Lebten wir in einer idealen Welt der Vielfalt und der Akzeptanz, etwa wie in mancher RTL-Daily-Soap, dann bräuchten wir kein Neutralitätsgesetz, gäbe es auch keinen Kopftuchstreit. Allein: Wir leben nicht in dieser Welt, und so tobt in der Realität ein Kopftuchstreit mit ganz verkehrten Fronten, wie die Reaktionen auf das Bundesarbeitsgerichtsurteil zum Berliner Neutralitätsgesetz zeigen. Das sollte das demonstrative Tragen religiöser Symbole durch Staatsbedienstete im Dienst, zum Beispiel eines Kopftuchs bei Lehrerinnen, unterbinden, darf aber in dieser pauschalen Form laut Bundesarbeitsgericht nicht angewendet werden. Nun könnte man ja das Gesetz so umformulieren, dass es künftig auch gerichtsfest ist, doch ausgerechnet „Linke“ und Grüne bejubeln, wenn auch etwas voreilig, sein erwartetes Aus. Die Erkenntnis von Karl Marx, dass am Anfang aller Kritik die Religionskritik stünde, hat für die heutige „Identitäts“linke offenkundig keine Gültigkeit mehr – jedenfalls dann nicht, wenn es um den Islam geht. Da verbündet man sich im Namen von „Vielfalt“, „Integration“ und „Religionsfreiheit“ auch noch mit den reaktionärsten Organisationen wie der von der Erdogan-Regierung gesteuerten DITIB. Continue reading „Das Berliner Neutralitätsgesetz, das Kopftuch und ein Kulturkampf mit verkehrten Fronten“

bookmark_borderNach Stuttgart und Frankfurt: Die Frage nach dem Migrations- und anderen Hintergründen

Nach den Krawall-Partys von Stuttgart und Frankfurt, der Auseinandersetzung um die angeblich von der Polizei geplante „Stammbaumforschung“ in Bezug auf die festgenommenen Täter, tönt es von der rechten Seite: „Die Randalierer waren keine Deutschen sondern meist Migranten.“ Und von der linken hören wir wie einen Schlachtruf der Verteidigung: „Der Migrationshintergrund spielt doch keine Rolle.“ Stimmt, möchte ich der linken Seite da gerne beipflichten. Nur wäre dieses Argument ein wenig glaubwürdiger, wenn nicht von identitäts“linker“ Seite selbst bei allen anderen Gelegenheiten immer wieder nach dem Migrationshintergrund gefragt würde. Mein Tipp: Statt sich für die politischen Debatte in Ethnologie und Abstammungskunde zu versuchen, sollte man lieber mehr Soziologie wagen, deren klassische Fragen stellen, also die Frage nach den sozialen Schichten. Auf linker Seite sprach man früher auch von Klassen. Doch Schicht und Klasse interessieren heute kaum noch wen. Continue reading „Nach Stuttgart und Frankfurt: Die Frage nach dem Migrations- und anderen Hintergründen“

bookmark_borderIdentitätspolitik: Der sichere Weg zur Diskriminierung

So führt gut gemeinte „kultursensible“ Identitätspolitik zu dauerhafter Benachteiligung, zur Diskriminierung: Australische Lehrerinnen stellen fest, dass Aborigines-Kinder Probleme im Mathematik-Unterricht haben, befinden, dass Mathematik in ihrer Kultur nun einmal keine Rolle spielt, beschließen deshalb, mit diesen Kindern lieber zu singen statt Mathematik zu üben. Den Einwand, dass diese Kinder im späteren Leben wegen des fehlenden Unterrichts benachteiligt wären, ihnen viele Berufe und Aufstiegschancen verschlossen bleiben, weisen die Lehrerinnen empört von sich. Solcher Kritik fehle jede Sensibilität für andere Kulturen. Diese Schilderung eines Party-Gesprächs „fortschrittlicher“ australischer Pädagoginnen ist die beeindruckendste Passage aus der Einleitung des Sammelbandes von Sandra Kostner: Identitätslinke Läuterungsagenda, eine Passage, die die wesentlichen Erkenntnisse dieses 313-Seiten-Bandes zusammenfasst. Continue reading „Identitätspolitik: Der sichere Weg zur Diskriminierung“