bookmark_borderNach Stuttgart und Frankfurt: Die Frage nach dem Migrations- und anderen Hintergründen

Nach den Krawall-Partys von Stuttgart und Frankfurt, der Auseinandersetzung um die angeblich von der Polizei geplante „Stammbaumforschung“ in Bezug auf die festgenommenen Täter, tönt es von der rechten Seite: „Die Randalierer waren keine Deutschen sondern meist Migranten.“ Und von der linken hören wir wie einen Schlachtruf der Verteidigung: „Der Migrationshintergrund spielt doch keine Rolle.“ Stimmt, möchte ich der linken Seite da gerne beipflichten. Nur wäre dieses Argument ein wenig glaubwürdiger, wenn nicht von identitäts“linker“ Seite selbst bei allen anderen Gelegenheiten immer wieder nach dem Migrationshintergrund gefragt würde. Mein Tipp: Statt sich für die politischen Debatte in Ethnologie und Abstammungskunde zu versuchen, sollte man lieber mehr Soziologie wagen, deren klassische Fragen stellen, also die Frage nach den sozialen Schichten. Auf linker Seite sprach man früher auch von Klassen. Doch Schicht und Klasse interessieren heute kaum noch wen. Continue reading „Nach Stuttgart und Frankfurt: Die Frage nach dem Migrations- und anderen Hintergründen“

bookmark_borderStinkefinger und Wichser – worüber sich das Land empört

Da platzt dem thüringischen Ministerpräidenten Bodo Ramelow auch aus gutem Grund der Kragen und er zeigt einem Abgeordneten der AfD den Stinkefinger. Beinahe zeitgleich tituliert ein entnervter Polizist einen flüchtigen Amokfahrer als Wichser. Das Land ist wieder mal, wenn auch in unterschiedlichem Maße, empört. Weicheier mögen weder klare Worte noch klare Gesten. Continue reading „Stinkefinger und Wichser – worüber sich das Land empört“

bookmark_borderPolizisten, Flüchtlinge, Müll und gute und schlechte Satire

Boris Palmer, der so umtriebige wie zumindest in der eigenen Partei umstrittene grüne Oberbürgermeister von Tübingen, hat via Facebook wieder schier unsägliches verbreitet: Flüchtlinge gehören auf den Müll. Natürlich hat er nie gefordert, Flüchtlinge auf die Müllplätze zu verbannen. Was Palmer verfasste, war eher die Satire auf eine Satire. In einem provokanten Text der taz hatte die Autorin geschrieben, dass bei einer Auflösung der Polizei ehemalige Polizisten nur auf dem Müllplatz noch Verwendung finden könnten, wo sie sich „unter ihresgleichen“ auch am wohlsten fühlen würden. Diesen Text hat Palmer nun fast wörtlich übernommen, tauschte nur einige Begriffe aus, ersetzte die Polizisten durch Flüchtlinge, stellte dazu die provokante Frage: Was für einen linken Aufschrei hätte es wohl gegeben, wäre ein solcher Text aus dem Dunstkreis der AfD verbreitet worden? Die Frage ist berechtigt, wird linke Palmer-Hasser aber nicht unbedingt davon abhalten, zu behaupten, Palmer hätte gefordert, Flüchtlinge auf die Müllplätze zu schicken. Und seine Follower aus der rechten Ecke dürften ihn verdammen, weil er dazu auch noch meinte, dass die taz ihren Text als Satire dennoch sehr wohl veröffentlichen durfte. Nicht nur mit Satire macht man sich in Deutschland unbeliebt, mit differenzierenden Urteilen macht man sich noch unbeliebter. Continue reading „Polizisten, Flüchtlinge, Müll und gute und schlechte Satire“